Es ist schon eine Weile her, seit ich mich mit der Entwicklung von Computerspielen beschäftigt habe. Ich meine, seit ich mich WIRKLICH ernsthaft damit auseinandergesetzt habe. Auf eine Weise vermisse ich es. Vor allem vermisse ich die Kreativität und die Unbeschwertheit, mit der ich einst ans Werk ging.
Es ist nicht nur eine Frage von Freizeit und Prioritäten, sondern auch der Motivation. Die richtige Kombination aus einer spannenden Idee, der nötigen Freizeit und die Motivation es wirklich in die Tat umzusetzen, ist etwas seltenes für mich geworden.
Kennt ihr das Gefühl, wenn es euch in den Fingern kribbelt und ihr voller Tatendrang seid? Es ist ein ähnliches Gefühl wie es vielleicht ein Zeichner hat, der den Drang verspürt den Stift wieder in die Hand zu nehmen oder ein Autor, der sich darauf freut in die Welten seiner Geschichte einzutauchen und die Worte auf das Papier fließen zu lassen.
Dennoch kostet es viel Überwindung diesen ersten Schritt zu wagen, denn man fühlt sich, als stünde man vor einem riesigen Berg. Man hat vielleicht aus einem waghalsigen Impuls heraus die Motivation sich auf den Weg zu machen, weil man sich daran erinnert wie es war oder sich vorstellt wie es wieder sein könnte, aber irgendwann nach einer Weile, fragt man sich, welcher Teufel einen geritten hat und setzt sich an den Wegesrand. Der Anfang ist das Schwierigste.
Für mich als Homebrew Game Entwickler der alten Schule ist es nicht anders.
Übrigens ist das Wort “Schule” nicht falsch zu verstehen. Ich habe zwar erfolgreich Game Design studiert, aber meine wirkliche Schule war ein verdunkeltes Zimmer mit einem veralteten Computer, einem altmodischen Bildschirm, einiger Spiele die ich bis ins Detail untersuchte und dem Traum selbst Spiele zu entwickeln. Ich fing bei Pong an und arbeitete mich zu aktuellen Spielen hoch. Klingt anstrengend? Das war es auch, zuweilen konnte es auch unheimlich frustrierend sein, aber nichts geht über das Gefühl eine Idee Form annehmen zu lassen oder zurückzublicken und zu erkennen wie viel man selbst dazu gelernt hat. Das sind die Momente in denen es die Mühe wert ist.
Damals war es mein Hobby und meine Leidenschaft.
Heute ist es das wieder. Nennt es Homebrew, nennt es Indie. Unter beiden Begriffen ist der Traum lebendig, der mich einst dazu bewegte jede freie Minute damit zu verbringen, eigene Spiele zu entwickeln.
Meine Tätigkeit schließt das Schreiben und die Grafik mit ein, doch das alleine macht noch kein Spiel. Programmierung kommt hinzu und bildet erst die technische Grundlage für alles Interaktive, doch selbst dann ist es noch kein vollwertiges Spiel. Bestenfalls ein Proof-of-Concept. Nicht nur die Technik muss entwickelt und die Inhalte müssen designt werden, sie sollten auch einem roten Faden folgen, den ein konsistentes Game Design vorgibt. Game Design bedeutet im ersten Moment wiederum Schreiben, ist aber mehr konzeptionell als erzählerisch. Bei einem schlichten Spiel, wie den Arcade Klassikern der 70er und frühen 80er Jahre mag ein umfangreiches Design Dokument nicht unbedingt notwendig sein. Bei komplexeren Ideen ist es dagegen unerläßlich, um nicht den Überblick zu verlieren und das wesentliche im Auge zu behalten.
Wie ihr seht, gibt es viele Faktoren die bei der Entwicklung eine Rolle spielen, wir haben zum Beispiel Sound und Musik noch gar nicht erwähnt, und je nachdem um was für eine Idee es sich handelt, lässt sich diese Liste beliebig erweitern.
Die Entwicklung eines Spiels ist vielseitige und interdisziplinäre Arbeit. Es ist das Zusammentreffen der verschiedensten kreativen und technischen Aspekte und genau aus dem Grund liebe ich es.
Videospiele können so vieles sein: Kultur, Kunst, Zeitvertreib, sogar lehrreich, wenn ich daran denke wie sehr mir zum Beispiel Grafik Adventures dabei halfen meine Englischkenntnisse als Kind aufzubessern.
Auf der einen Seite finden sich immer seltener Spiele, die mich wirklich mitreißen oder noch die Themen behandeln, die für mich Videospiele ausmachen. Ich möchte mich nach einem anstrengenden Tag entspannen und in eine andere Welt eintauchen, wo ich in eine Rolle schlüpfen kann um Dinge zu tun die in unserer Welt unmöglich sind.
Ich möchte ein Abenteuer erleben und fremde Orte erforschen.
Vor allem wünsche ich mir aber eine klare Trennung von der Alltagswelt. Gerade diese Trennung geht für mich durch die Entwicklung zu immer realistischeren 3D Grafiken und den üblichen Konzepten verloren.
Vielleicht sind mir aus dem Grund auch 2D Spiele in den meisten Fällen viel lieber.
Auf der anderen Seite nützt es nichts sich über die Richtung der Industrie aufzuregen. Was ich jedoch tun kann ist, einen kleinen Beitrag zu leisten und Spiele zu entwickeln die genau so sind, wie ich es mir vorstelle und wie ich es mag.
Wo wir wieder beim Indie Gedanken wären.
So manche Spieler vermissen heute das Spielgefühl der 2D Titel, mit denen sie auf Homecomputern, DOS PCs und Spielkonsolen aufwuchsen. Vielleicht erinnert sich ja sogar noch jemand an Spielhallen.
Im Vergleich zur breiten Masse sind diese Spieler wohl rar gesät, aber es gibt sie. Ein sehr tröstlicher Gedanke, wie ich finde.
Es ist dieser Gedanke der mich und viele andere Homebrew oder Indie Entwickler antreibt.
Wir verbringen Jahre damit ein liebgewonnenes System bis ins Detail kennen zu lernen und neue Spiele dafür zu entwickeln, die manchmal sogar ganz neue Standards setzen.
2010 erschien das lang erwartetes Mega Drive Spiel Pier Solar.
Bald wird hoffentlich auch Sturmwind für die Dreamcast erhältlich sein und Dank Reboot und Jagware hat der Atari Jaguar in den letzten Jahren mehr Homebrew Veröffentlichungen erlebt als je zuvor.
Nicht Homebrew aber dafür der Inbegriff von Indie ist zur Zeit vor allem Double Fine mit ihrem Klassischen Grafik Adventure Projekt, das komplett durch Spenden der Community finanziert wird. Über 87000 Fans haben das Projekt unterstützt und überhaupt erst möglich gemacht. Natürlich stellt das eine besondere Ausnahme dar, denn im Team sind keine geringeren als Tim Schafer und Ron Gilbert, die kreativen Köpfe hinter Meilensteinen wie Monkey Island und Day of the Tentacle. Dennoch könnte Fanfinanzierung auch für andere vielversprechende Indie Projekte eine echte Chance darstellen.
Kürzlich haben sich auch die Sierra Entwickler Legenden Jane Jensen mit ihrer Community Served Gaming Idee und Al Lowe mit einem Remake der Leisure Suit Larry Spiele an die Öffentlichkeit gewagt und werden auf diese Weise hoffentlich ihre Projekte in die Tat umsetzen können.
Was mich an Homebrew und Indie aber besonders fasziniert und immer wieder aufs neue begeistert, sind die Ideale der Entwickler, ihre Leidenschaft für ihr Projekt. Hier steht wirklich noch die Qualität im Vordergrund und der Gedanke etwas einzigartiges zu schaffen. Man merkt es den Titeln einfach an.
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